Missionarischer Aufbruch in Wolfsburg

Während viele christliche Gemeinden in Deutschland über schrumpfende Mitgliederzahlen klagen, erlebt die Evangelische ChristusBrüderGemeinde in Wolfsburg das Gegenteil: Sie wächst. Was macht diese Gemeinde anders? IDEA-Redakteur Daniel Scholaster hat sich vor Ort umgesehen.

Stimmengewirr erfüllt das Foyer der Evangelischen ChristusBrüderGemeinde in Wolfsburg. Kinder laufen lachend zwischen den Erwachsenen hindurch. Die Besucher begrüßen sich herzlich – hier kennt fast jeder jeden. Bei Gottesdiensten und Veranstaltungen wird nicht nur Deutsch gesprochen: Russische Wortfetzen mischen sich in die Gespräche, daneben Farsi und Englisch. Die ChristusBrüderGemeinde ist bunt geworden. Ihre Wurzeln aber liegen in der Geschichte der Russlanddeutschen.

Eine einzigartige Mischung

Die Gemeinde bewegt sich in einem besonderen kirchlichen Dreick zwischen lutherischen, brüdergemeindlichen sowie landeskirchlichen Hintergründen und Strukturen. Vorstandsmitglied Benjamin Kremin beschreibt es so: „Am ehesten könnte man uns wohl mit einer Landeskirchlichen Gemeinschaft vergleichen.“ Aber so ganz stimme das auch nicht: „Denn wir haben keinen Pastor und bestreiten unsere Arbeit ausschließlich mit Ehrenamtlichen.“ Die geistliche Leitung liegt in den Händen eines Bruderrats, in anderen Leitungsgremien und dem Vereinsvorstand hingegen agieren Männer und Frauen gemeinsam.

Diese Struktur hat historische Gründe. Die Ursprünge der Gemeinde gehen auf Versammlungen russlanddeutscher Aussiedler in den 70er Jahren zurück. In deren ehemaliger Heimat hatten viele lutherische Gemeinden nach der Machtübernahme der Kommunisten im Zuge der Oktoberrevolution 1917 keine Geistlichen mehr. Diese waren verhaftet oder ermordet worden. Die Gemeinden mussten ihren Glauben ohne geistliche Leitung weiterleben – eine Notlage, aus der eine besondere Organisationsstruktur entstand. Die Aussiedler brachten sie auch nach Deutschland mit.

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Die Gemeinde bewegt sich in einem besonderen kirchlichen Dreick zwischen lutherischen, brüdergemeindlichen sowie landeskirchlichen Hintergründen und Strukturen. Vorstandsmitglied Benjamin Kremin beschreibt es so: „Am ehesten könnte man uns wohl mit einer Landeskirchlichen Gemeinschaft vergleichen.“ Aber so ganz stimme das auch nicht: „Denn wir haben keinen Pastor und bestreiten unsere Arbeit ausschließlich mit Ehrenamtlichen.“ Die geistliche Leitung liegt in den Händen eines Bruderrats, in anderen Leitungsgremien und dem Vereinsvorstand hingegen agieren Männer und Frauen gemeinsam.

Diese Struktur hat historische Gründe. Die Ursprünge der Gemeinde gehen auf Versammlungen russlanddeutscher Aussiedler in den 70er Jahren zurück. In deren ehemaliger Heimat hatten viele lutherische Gemeinden nach der Machtübernahme der Kommunisten im Zuge der Oktoberrevolution 1917 keine Geistlichen mehr. Diese waren verhaftet oder ermordet worden. Die Gemeinden mussten ihren Glauben ohne geistliche Leitung weiterleben – eine Notlage, aus der eine besondere Organisationsstruktur entstand. Die Aussiedler brachten sie auch nach Deutschland mit.

Russlanddeutsche Prägung nimmt ab

Gute Beziehungen pflegt die Gemeinde bis heute daher im Rahmen der „Kirchlichen Gemeinschaft der evangelisch-lutherischen Brüdergemeinden“ zu anderen ähnlich ausgerichteten Gemeinden in Deutschland. Der lockere Zusammenschluss hat 2023 mit der Martin-Luther-Gemeinde-Akademie seine eigene Ausbildungsstätte gegründet. Auch Mitglieder der ChristusBrüder-Gemeinde studieren dort. Doch das Gemeindebild verändert sich, die russlanddeutsche Prägung nimmt ab. „Wir stehen zu unserer Geschichte“, sagt Kremin, „aber unser Gemeindezuwachs ist inzwischen breitgefächert. Wir haben mittlerweile auch viele Gottesdienstbesucher ohne russlanddeutschen Hintergrund – darunter Menschen aus dem Iran oder aus Afrika.“

Der Weg zum eigenen Gotteshaus

Lange feierte die Gemeinde ihre Gottesdienste als Gast in der Christuskirche, die zur hannoverschen Landeskirche gehört. Diese unterstützte die Gemeinde über 20 Jahre hinweg. So gibt es Kremin zufolge unter anderem eine Vereinbarung, die es den ausgebildeten Prädikanten der ChristusBrüderGemeinde ermöglicht, Kasualien wie Taufen und Trauungen durchzuführen. Doch mit der Zeit wuchs der Wunsch nach einem eigenen Zuhause. 2015 wurde dieser Traum Wirklichkeit: Die Gemeinde kaufte die ehemalige St.-Joseph-Kirche von der katholischen Kirche in Wolfsburg. Im Mai 2016 wurde das Gebäude feierlich als neue Gemeindeheimat eingeweiht. „Das hat unser Gemeindeleben stark gefördert“, sagt Kremin. „Es ist ein großer Unterschied, ob man zu Gast ist oder eine eigene Kirche hat. Jetzt können sich unsere Mitglieder viel stärker mit der Gemeinde identifizieren.“ Im Kaufpreis von 550.000 Euro war auch ein Gemeindezentrum enthalten. Hier treffen sich jetzt verschiedene Gruppen – von Jugendlichen bis Senioren.

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Mission als Herzensanliegen

Von Anfang an war die ChristusBrüderGemeinde missionarisch geprägt, wie der 3. Vorsitzende der Gemeinde, Dimitri Asmus, erzählt: „Wir wollen für alle Menschen einladend sein und ihnen das Evangelium verkünden.“ Diesem Zweck dienen u. a. jährliche Evangelisationswochen mit Missionaren und Theologen. Dabei predigten etwa die überregional bekannten theologisch konservativen Geistlichen Olaf Latzel und Ulrich Parzany oder der Informatiker Werner Gitt. Die Veranstaltungen ziehen im Schnitt 150 Menschen an, die Hälfte von ihnen hatte zuvor keine Verbindung zur Gemeinde.

So werden die Kontakte der Besucher zur Gemeinde gestärkt, wie Stefanie Geisler vom Jungscharteam berichtet. „Es ist schön zu sehen, dass aus Besuchern Menschen werden, die sich bewusst für Jesus entscheiden.“ Doch viele kämen auch zum ersten Mal mit dem Evangelium in Berührung. Geisler führt das Wachstum der Gemeinde u. a. auf die vielfältigen missionarischen Initiativen der Gemeinde zurück. Außerdem spricht sie die Jugendlichen früh darauf an, ob sie nicht mitarbeiten wollen. „So binden wir sie von Anfang an ein.“

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Von Anfang an war die ChristusBrüderGemeinde missionarisch geprägt, wie der 3. Vorsitzende der Gemeinde, Dimitri Asmus, erzählt: „Wir wollen für alle Menschen einladend sein und ihnen das Evangelium verkünden.“ Diesem Zweck dienen u. a. jährliche Evangelisationswochen mit Missionaren und Theologen. Dabei predigten etwa die überregional bekannten theologisch konservativen Geistlichen Olaf Latzel und Ulrich Parzany oder der Informatiker Werner Gitt. Die Veranstaltungen ziehen im Schnitt 150 Menschen an, die Hälfte von ihnen hatte zuvor keine Verbindung zur Gemeinde.
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So werden die Kontakte der Besucher zur Gemeinde gestärkt, wie Stefanie Geisler vom Jungscharteam berichtet. „Es ist schön zu sehen, dass aus Besuchern Menschen werden, die sich bewusst für Jesus entscheiden.“ Doch viele kämen auch zum ersten Mal mit dem Evangelium in Berührung. Geisler führt das Wachstum der Gemeinde u. a. auf die vielfältigen missionarischen Initiativen der Gemeinde zurück. Außerdem spricht sie die Jugendlichen früh darauf an, ob sie nicht mitarbeiten wollen. „So binden wir sie von Anfang an ein.“

Bibeltreue und Dienstbereitschaft

Die ChristusBrüderGemeinde lebt von dieser aktiven Beteiligung. Weit mehr als die Hälfte der regelmäßigen Gottesdienstbesucher engagiert sich in der Gemeinde – ob im Musikteam, bei der Kinderbetreuung oder in der Organisation von Veranstaltungen. „Wir wollen, dass sich jeder willkommen und eingebunden fühlt“, sagt Kremin. Das gilt für alle Altersgruppen: Von der „Krümelkiste“ für Babys und Kleinkinder bis zu Seniorentreffen bietet die Gemeinde ein breites Spektrum an Angeboten. Dabei bleibt sie ihrem biblischen Fundament treu und legt großen Wert auf familiäre Gemeinschaft. Kremin: „Ich bin bis heute beeindruckt von der großen Freiheit und Verantwortung, die unsere ältere Generation an uns weitergibt.“ Es verstehe sich von selbst, so Kremin, dass die jüngere Generation das treue Bibelverständnis, die hohe persönliche Dienstbereitschaft und die familiäre Gemeinschaft verantwortungsbewusst erhalten wolle. In diesem Sinne versucht der Gemeindevorstand auf die Bedürfnisse beider Generationen zu achten, etwa bei einem „bewusst ausgewogenen Liedgut“ mit alten Chorälen und neueren Lobpreisliedern.

Kirche der ChristudBrüderGemeinde

Wachstum soll anhalten

Mit inzwischen 134 Vereinsmitgliedern und über 200 Gottesdienstbesuchern wächst die Gemeinde stetig. Und die Pläne gehen noch weiter: Derzeit wird über eine Erweiterung des Gemeindezentrums nachgedacht. Denn eines ist klar: Die Evangelische ChristusBrüderGemeinde will noch viele Menschen in der Autostadt Wolfsburg mit dem Evangelium erreichen.

Evangelische ChristusBrüderGemeinde in Zahlen

Gründungsjahr: 2004
Mitglieder: 134
Gottesdienste: jeden Sonntag mit Kinderprogramm
Gottesdienstbesucher: rund 200, darunter 50 Kinder
Mitarbeiter: ca. 100
Kleingruppen: mind. 10 (z.B. Hauskreise, Mütter- und Frauenkreise)
Angebote für Menschen von 0 bis 65+ Jahren
170 Teilnehmer am jährlichen Sommercamp